

Dass die beiden Genrevertreter hinsichtlich der Präsentation nicht allzu viel miteinander gemein haben, beweist „Age of Conan“ gleich mit dem einführenden Renderfilmchen. Schon hier tanzen die ersten Extremitäten – unabhängig von ihren einstigen Besitzern, wohlgemerkt. Und auch König Conan selbst hat seinen ersten Auftritt. Wer hier jedoch den Gouvernator selbst erwartet, wird enttäuscht. Denn FunCom‘s Titel beruht nicht auf der Filmlizenz um den Sklaven, der sich zum König krönte, sondern auf der eigentlichen Buchvorlage von Robert E. Howard. Das schadet der Atmosphäre des Spiels jedoch nie. Im Gegenteil, schließlich verkommen so die Figuren, Völker und Ländereien, die im Film nahezu völlig fehlen, nicht zu Nebensächlichkeiten im Schatten des namensgebenden Helden.

Was dem Einführungsfilm folgt, dürfte jedem MMORPG-Kenner klar sein: Die Charaktererstellung. Diese gestaltet sich in „Age of Conan“ kaum anders als in vergleichbaren Titeln, wenngleich die Fülle der verstellbaren Optionen hier durchaus begeistert. Zwar betreffen diese zumeist nur die Äußerlichkeiten von Heldin oder Held, dennoch: Einheitsbrei gibt es in der brutalen Fantasywelt nicht. Man hat nahezu unbegrenzte Einstellmöglichkeiten mit zusätzlichen Features wie Tatoos, Narben oder gebrochenen Nasen. Nur dick und fett geht nicht, denn in der brutalen Heldenwelt von Howard gab es keine dicken Menschen.
Und man sucht vergeblich nach Elfen, Zwergen oder sonstigen bekannten Rassen herkömmlicher Fanatasywelten wie in WoW oder HdRO.
So stehen lediglich drei Gruppierungen zur Auswahl: die auf Organisation und Disziplin bedachten Aquilonier, die rauen Cimmerier und die dem Okkulten und Diabolischen verfallenen Stygier.
Je nach Rasse stehen dem Spieler schließlich bestimmte Klassen zur Verfügung. Diese sind wiederum in vier Kategorien unterteilt: Soldaten, Priester, Schurken und Magier. Die Soldaten zeichnen sich vor allem durch ihre starke Rüstung aus und gliedern sich in die Klassen Wächter, Eroberer und Dunkler Templer, die allesamt den Völkern der Aquilonier und der Cimmerier zur Verfügung stehen.
Die Stygier hingegen müssen hier passen. Bei den Priestern ist jeder Rasse genau eine Heilerklasse zugeordnet. So sorgen die Bärenschamanen bei den Cimmeriern für Gesundheit, die Mitrapriester pflegen die aquilonischen Truppen, und ruft man nach einem stygischen Doktor, erscheint hoffentlich ein Vollstrecker Sets. Wer es lieber schurkisch mag, der darf sich als Barbar, Assassine oder Waldläufer versuchen. Und wer letztlich seinen Gegnern Feuerbälle, Blitze oder dergleichen entgegen schleudern möchte, dem stehen die Dämonologen, die Nekromanten und die Herolde des Xotli zur Auswahl – allesamt jedoch nur den Helden der stygischen Rasse.
Ist die Auswahl getroffen, findet man sich sogleich an Bord eines Sklavenschiffs wieder. Warum man dort ist, was man für eine Vorgeschichte hat erfährt man leider nicht mehr, denn mit einer wilden Explosion bricht die Galeere auseinander, und man selbst sinkt sterbend dem Meeresboden und einigen mystischen Unterwasserruinen des versunkenen Atlantis entgegen.

Diese atlantischen Ruinen sind offensichtlich von einem Geheimnis umgeben, denn man wird wie von magischer Hand wieder empor gehoben und kurz darauf an einen weißen Sandstrand gespült. Bei der anschließenden Zwischensequenz erfährt man von einem seltsamen Strandbewohner einiges über seine neue Umgebung und sein Schicksal das einen erwartet. Ein mystisches Mahl auf der rechten Brust kündet fortan von einem besonderen Schicksal.
Damit endet die Vorgeschichte und man ist nun endgültig im Spiel angekommen. Neben der Wildheit der Umgebung fällt sogleich eine andere Besonderheit auf: Niemand fordert einen im Sekundentakt zu neuen Player-versus-Player-Duellen auf, die Figuren in der unmittelbaren Umgebung bewegen sich laufend und nicht hüpfend, und keiner testet unentwegt sämtliche verfügbaren Charakter-Emotionen durch. Die einfache Erklärung für all das: Man befindet sich im Einzelspielermodus. Denn wo man in anderen MMORPGs gleich nach der Charaktererstellung mit anderen Spielern zusammen in die Startgebiete geworfen wird, hat man in „Age of Conan“ die Möglichkeit, sich nach und nach alleine in die Spielmechanik einzufinden.
Im folgenden Kampf durch einen dichtbewachsenen Dschungel folgen weitere Zwischensequenzen und führen einen tiefer in die Story hinein die einem in dieser Welt erwartet.
Apropos Zwischensequenzen und Dialoge: Diese gestalten sich deutlich umfangreicher und vielfältiger als etwa in „World of Warcraft“, wo Gespräche zumeist lediglich der Annahme einer Aufgabe dienen. Hier hat man darüber hinaus die Möglichkeit, das Gegenüber um Informationen zu bitten und den Gesprächsverlauf je nach Verhalten ein wenig zu ändern. Das Endergebnis ist dabei freilich in der Regel dasselbe.
Dennoch sorgen diese Vielfalt und diese Auswahlmöglichkeiten für eine deutlich dichtere Atmosphäre als in anderen MMORPGs, so dass sich neben Onlinefans auch klassische Rollenspielfreunde von „Age of Conan“ angesprochen fühlen dürfen. Die exzellente Sprachausgabe erinnert einen dabei eher an ein MMO, als an ein klassisches MMORPG. Die absolut fehlerfreie deutsche Synchronisation ist beispielgebend und vermittelt einem eine tiefgehende Story.
Zumal Funcoms Autoren vor der Derbheit der Romanvorlage an keiner Stelle zurückgeschreckt sind. Da wird geschimpft und beleidigt, was das Zeug hält, und auch vor dem jeweils anderen Geschlecht halten sich die Figuren mit allerlei schlüpfrigen Bemerkungen nicht zurück.
Keine Frage: Dass dieser Titel eine Freigabe erst ab 18 hat, merkt man schon nach den ersten paar Dialogsequenzen. Und letztlich darf wohl darüber diskutiert werden, ob noch vor der immer präsenten Gewalt des Titels nicht schon die vielen halbnackten Frauenkörper eine Gefahr darstellen, da sie die Hormone eines ansonsten schon durch Nachtelfinnen oder gar Zwerginnen angeregten Fünfzehnjährigen überstrapazieren könnten.

Doch diese These verliert bereits bei den ersten Kampfhandlungen auf dem Bildschirm an Haltbarkeit: Derart viel Härte und Brutalität wie in den Auseinandersetzungen von „Age of Conan“ hat bislang kein anderes MMORPG auf die Monitore gebracht. Spätestens wenn eine der Fatalities, also eine der extra-brutalen Schlussattacken, dem Feind Köpfe oder Gliedmaßen vom Leibe trennt, ist klar: Als lauschiges Familienspielchen eignet sich dieser Titel nicht. Daran ändert letztlich auch die Tatsache nichts, dass in der deutschen Fassung die allerhärtesten der Metzelangriffe entfernt wurden und die Körperteile zwar abgetrennt werden, danach jedoch nicht mehr durch die Gegend fliegen, sondern einfach verschwinden.
Dem gelungenen Kampfsystem schaden diese Einschränkungen jedoch nicht. Denn hier haben sich die norwegischen Entwickler etwas Besonderes einfallen lassen, wenngleich sich der Verdacht aufdrängt, dass dieser Einfall aus dem Interesse an der Bedienbarkeit der kommenden Konsolenfassung geboren wurde. Die Grundangriffe bilden nämlich drei Attacken, die jeweils einer Richtung – links oben, oben mittig und rechts oben – zugeordnet sind. Je nach Klasse gesellen sich später noch zwei weitere Richtungen dazu. Ein Schelm, wer da den Analogstick eines Gamepads im Kopf hat ... Welche Angriffsrichtung man wählt, hängt letztlich vom Gegner ab. Denn um diesen herum werden im Duell kleine Balken angezeigt, die den Rüstungsschutz und die Verteidigung an dieser Stelle symbolisieren.
Hat der Feind etwa drei Balken über seiner Rübe, ist er hier besonders gut geschützt, sodass unsere Angriffe an dieser Stelle nur wenig Wirkung zeigen würden. Also gilt es, das Gegenüber immer genau an den Stellen zu treffen, an denen gar kein oder nur möglichst wenig Schutz vorhanden ist. Dabei kann sich diese Defensivanzeige im Kampf laufend ändern.
Wesentlich effektiver als die Standardangriffe sind die Kombinationen. Von diesen erhält man mit steigender Erfahrung immer mehr.
Ausgewählt werden sie über eine Fähigkeiten-Leiste am unteren Bildschirmrand, ähnlich Zaubern und Attacken in anderen MMORPGs und Rollenspielen. Wählt man jedoch in „Age of Conan“ eine solche Kombination aus, wird diese nicht sofort ausgelöst, sondern auf dem Bildschirm wird zunächst eine der Richtungen der Basisangriffe angezeigt. Erst wenn man den entsprechenden Grundangriff auswählt, wird schließlich die Kombination aktiviert. Wer also nur stupide die Leiste mit Angriffen und Zaubern von oben nach unten abklickt, hat hier nur wenig Erfolg.



Aber das barbarische Game bietet nicht nur eine brutale erbarmungslose Welt, sondern auch unterschwelligen Sex für das hauptsächlich erwachsene Publikum. Die Körperproportionen der weiblichen, als auch männlichen Charaktere sind durchweg mit einer nahezu fotorealistischen Akribie erstellt. So weißen die weiblichen Körper alle Merkmale und vor allem Reize auf die die Natur zu bieten hat und man kommt nicht drum herum manchem sexy Charakter verblüfft hinterher zu gaffen. Die männlichen Körper glänzen mit stahlharten Muskeln und sehnigen Gliedmaßen – im Übrigen ganz im Sinne des geistigen Urvaters Robert E. Howard. In seinen Geschichten reduzierten sich Frauen zumeist auf ein sexy Erscheinungsbild, denen Conan fast immer erlegen ist, und die männlichen Akteure glänzten mit Herkuleskörpern.
Stupide sollte man auch nicht durch die Spielwelt wandern. Denn mit dieser setzt FunCom neue MMORPG-Maßstäbe. Gewaltige Städte, dichte Dschungel und weite Ebenen – alles, was das Fantasy-Herz begehrt, haben die Norweger mit Hilfe von modernen Effekten, tollem Design und viel Liebe zum Detail umgesetzt. Die ursprünglich geplante DirectX10-Version ist dabei jedoch nicht pünktlich zum Release fertig geworden und befindet sich derzeit in Form eines Test auf den Servern. Dennoch sieht „Age of Conan“ allein schon mit der DX9-Version unglaublich detailiert aus und lässt einen in eine phantastische und sehr reale Welt eintauchen die in seinem Genre seines gleichen sucht. Kein anderes MMORPG kann eine derart detailierte Grafik aufweisen.
Ebenfalls überzeugend ist das Questdesign des Titels. Gerade dadurch, dass jede Aufgabe mit einem längeren Dialog und einer kleinen Hintergrundgeschichte eingeläutet wird, hat man nur selten das Gefühl, langweilige Routinemissionen zu erfüllen oder die soundsovielte Tätigkeit nach dem immer gleichen Schema F zu erledigen. Besonders angenehm dabei: Sämtliche Dungeons lassen sich auf verschiedenen wählbaren Schwierigkeitsstufen absolvieren, wobei der niedrigste Level in der Regel immer auch alleine zu meistern ist. So hängt man niemals wirklich fest, da man vielleicht gerade keine Gruppe für das Abenteuer findet, kann auf der anderen Seite jedoch auch immer mit Freunden in entsprechend anspruchsvolle Bereiche vordringen.
Fazit: Nein, es hat nicht ganz zum „WoW“-Konkurrenten gereicht. Dafür weist „Age of Conan“ noch zu viele kleine Fehlerchen auf.
Keine Frage: Auch der Blizzard-Titel war bei Erscheinen längst nicht so perfekt wie heute. Und dennoch war das Spielerlebnis schon damals runder, glatter, kurz: ein wenig besser – der jahrelangen Battlenet-Erfahrung und Geldgeber Vivendi sei Dank.
Im Falle von „Age of Conan“ hat man hingegen das Gefühl, dass viele Spielelemente erst sehr spät eingefügt wurden und dass man mit dem Release nach mehreren Verschiebungen nicht mehr länger warten konnte. Zu viele Inhalte, ja ganze Regionen erscheinen unvollständig, ja geradezu wie im letzten Augenblick noch zum Abschluss gebracht.
Dennoch besitzt das Barbaren-MMORPG eine Menge Potential – ja, mit viel Feinarbeit sogar so viel, dass es dem Blizzard-Titel den Thron streitig machen könnte. Denn während „World of Warcraft“ zuletzt kaum von seinen immer gleichen Instanz-, Quest- und Item-Mechanismen abgewichen ist, punktet „Age of Conan“ mit einer überaus lebendigen, atmosphärischen und, gerade auch ob des neuartigen Kampfsystems, dynamischen Spielwelt. Und grafisch, sowie soundtechnisch, ist AoC ohnehin schon der unbestrittene Leader.



































